Dienstwagen: 1 %-Methode oder Fahrtenbuch?
Entscheidungshilfe für Arbeitnehmer und Selbstständige
Merkblatt 04
Stand: Mai 2026
© Steuersoft GmbH
Die Kernfrage: Wer einen Firmenwagen auch privat nutzt, hat zwei Berechnungsoptionen für den geldwerten Vorteil (§ 6 Abs. 1 Nr. 4, § 8 Abs. 2 EStG): die pauschale 1 %-Regelung oder das aufwendige Fahrtenbuch. Welche ist günstiger?
1. Die zwei Methoden im Überblick
| 1 %-Methode (pauschal) | Fahrtenbuch |
| Bemessungsgrundlage | Bruttolistenpreis × 1 % / Monat (Verbrenner) oder 0,5 % (Plug-in-Hybrid) oder 0,25 % (E-Auto BLP ≤ 70 k €) | Anteil der privaten km an den tatsächlichen Gesamtkosten |
| Aufwand | Niedrig — gar nichts zu führen | Hoch — jede Fahrt mit Datum, Ziel, Zweck, km |
| Anpassbar | Nicht — fix | Sehr — passt sich Nutzung an |
| Wechsel möglich | Methodenwechsel nur zum Kalenderjahresende |
2. Faustregeln
1 %-Methode lohnt wenn …
- Private Nutzung > ca. 30 % der Gesamtkilometer
- Niedriger Bruttolistenpreis (gebrauchte Dienstwagen)
- Wenig Lust auf Bürokratie
- E-Auto BLP ≤ 70.000 € (nur 0,25 % statt 1 %)
Fahrtenbuch lohnt wenn …
- Private Nutzung < ca. 20 % der Gesamtkilometer
- Hoher Bruttolistenpreis
- Auto wird hauptsächlich für Kundenbesuche genutzt
- Mandant hat Disziplin für tägliche Eintragungen
3. Rechenbeispiel
Dienstwagen Audi A4: BLP 55.000 €, Pendlerstrecke 15 km (einfach), Jahresfahrleistung 20.000 km, davon 5.000 privat, 6.900 Pendler, 8.100 dienstlich. Gesamtkosten Fahrzeug p.a. 9.500 €.
| 1 %-Methode | Fahrtenbuch |
| Privat-Anteil | 55.000 × 1 % × 12 = 6.600 € | 9.500 × (5.000/20.000) = 2.375 € |
| Pendler-Anteil | 55.000 × 0,03 % × 15 × 12 = 2.970 € | 9.500 × (6.900/20.000) = 3.278 € |
| geldwerter Vorteil | 9.570 € | 5.653 € |
| − Pendlerpauschale-Abzug | −2.080 € | −2.080 € |
| Steuer bei 42 % Grenzsatz | 3.146 € | 1.501 € → Ersparnis 1.645 € |
4. Was muss das Fahrtenbuch erfüllen?
Damit das Finanzamt das Fahrtenbuch akzeptiert (R 8.1 Abs. 9 LStR):
- Zeitnah geführt (täglich, nicht im Nachhinein)
- Lückenlos — jede Fahrt eingetragen
- Pflichtangaben pro Fahrt: Datum, km-Stand Beginn + Ende, Reisezweck, aufgesuchter Geschäftspartner
- Schriftlich oder elektronisch mit Festschreibung (z.B. App mit GoBD-Konformität)
- Privatfahrten müssen NICHT detailliert sein, aber als „privat" gekennzeichnet
❌ Was das Finanzamt NICHT akzeptiert: Excel-Tabellen ohne Änderungs-Sperre, händische Nachträge, lose Notizblätter, „abends aus dem Kopf" geführte Bücher. → Bei Beanstandung: Rückrechnung auf 1 %-Methode + Nachzahlung.
5. E-Auto-Förderung im Detail (Stand 2026)
| Fahrzeug-Typ | Bruttolistenpreis | Privatnutzungs-Satz |
| Reines E-Auto | bis 70.000 € | 0,25 % |
| Reines E-Auto | 70.000–95.000 € (Anschaffung 2024+) | 0,5 % |
| Plug-in-Hybrid | — | 0,5 % (bei E-Reichweite ≥ 80 km oder CO₂ ≤ 50 g/km) |
| Hybrid mit Reichweite < 80 km | — | 1 % (= regulär) |
| Verbrenner | — | 1 % |
6. Werkzeuge auf tools.steuersoft.de
🚗 Pkw 1 % vs. Fahrtenbuch
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